Realismus
In der Mitte des 19. Jahrhunderts setzte sich in Europa eine neue Stilrichtung der bildenden Künste durch: der Realismus. Im Gegensatz zu den Vorgängern Klassizismus und Romantik sollte sich die Kunst fortan weniger mit historisierenden und idealisierenden Darstellungen denn mit der tatsächlich fassbaren Welt befassen bzw. mit der Welt, so wie der Mensch sie mit seinen Sinnen wahrnehmen kann. Es findet eine bewusste Abgrenzung zu allem übernatürlichen, nicht fassbaren, statt. Diese Dinge werden als Illusion abgetan. Im Gegensatz zum Naturalismus sind Deutungen und Wertungen in der Abbildung jedoch ausdrücklich erlaubt. Oftmals werden die Begriffe Naturalismus und Realismus jedoch auch synonym verwendet.
Gustave Courbet, französischer Maler des 19. Jahrhunderts, prägte den Begriff Realismus auf der Weltausstellung in Paris 1855. Spätere Arbeiten europäischer Künstler befassten sich vor allem auch mit den neuen Erscheinungen des industriellen Zeitalters. So finden sich zahlreiche Darstellungen vom damaligen Arbeitsleben in der Schwerindustrie. Andere beliebte Motive sind Landschaftsdarstellungen, das Dorfleben und Einzelporträts.
Als deutsche Vertreter des Realismus waren vor allem Wilhelm Leibl („Drei Frauen in der Kirche“) und Adolph Friedrich Erdmann von Menzel („Das Balkonzimmer“).
Für Landschaftsdarstellungen wurde besonders die Schule von Barbizon berühmt. Diese Gruppe französischer Landschaftsmaler schuf zwischen 1830 und 1870 einige herausragende Abbildungen dieses Genres. Gleichzeitig sorgen sozialkritische Darstellungen der einfachen Landbevölkerung für Aufsehen.
Eine weitere Form des Realismus ist die in den 1920er Jahren entstandene „Neue Sachlichkeit“. Unter diesem Titel waren in Mannheim Werke von 32 Künstlern ausgestellt. Auch diese Strömung ist für ihre gesellschaftskritische Darstellung bekannt. Es wird auch vom magischen Realismus gesprochen.
Die Sowjetunion erfand wenige später ihre eigene Form des Realismus. Als sozialistischer Realismus war er für die Sowjetunion bedeutend bis zu derer Auflösung 1991. Die strengsten Vorgaben gab es jedoch bis in die Jahre nach dem 2. Weltkrieg. Um eine eigene Stilrichtung zu bilden, hatte die Sowjetunion 1932 eine Richtlinie erlassen, wonach Kunstdarstellungen fortan wahrheitsgetreue, konkret-historische Darstellungen der Wirklichkeit in ihrer revolutionären Entwicklung sein sollten. Nach dem Tod Stalins wurden die Richtlinien gelockert.