
Kunst ist schon lange nicht mehr nur Kunst allein. Überall dort, wo die gesellschaftlichen Gegebenheiten es zulassen, dass das kulturelle Leben einen wichtigen Bestandteil des Alltags ausmacht, ist mit Kunst automatisch auch ein finanzieller Aspekt verknüpft. Berühmte Werke bekannter Künstler werden heute zu Preisen gehandelt, bei denen dem Normalsterblichen schon mal die Nullen vor den Augen verschwimmen. Entsprechend hat auch die Kriminalität im Kunsthandel etwa ab der zweiten Hälfte des 20. Jahrhunderts stetig zugenommen. Diese Entwicklung beobachteten verschiedene Kunstliebhaber mit zunehmender Sorge und Mitte der 70er Jahre fassten daher einige der Mitglieder einer gemeinnützigen New Yorker Organisation, genauer, der Internationalen Stiftung für Kunstforschung, den Entschluss, eine Art Archiv anzulegen. Dieses Archiv sollte dem Zweck dienen, übersichtlich darzustellen, welche Kunstwerke gestohlen oder verloren sind, um so gegebenenfalls Händeln gestohlener Werke besser auf die Schliche kommen zu können. Unter dem wenig künstlerischen Titel „Gestohlene Kunst-Alarm“ wurden fortan jährlich mehr vermisste Kunstwerke aufgelistet, was dazu führte, dass bald etwa 20000 Kunstwerke handschriftlich aufgeführt waren. Bei einer so großen Zahl war ein handschriftliches Register natürlich kaum noch nutzbar und der Wunsch, diese Daten in digitaler Form verfügbar zu machen, lag nahe. Anfang der 90er Jahre war es soweit und auf der Grundlage der handschriftlichen Einträge des „Gestohlene Kunst-Alarms“ wurde eine Datenbank erstellt, „The Art Loss Register“. Beteiligt waren vor allem im Kunsthandel aktive Unternehmen aus London, aber auch verschiedene Versicherungen, da diese natürlich ein ebenso großes Interesse daran hatten, den Diebstahl wertvoller Kunstgegenstände weniger attraktiv zu machen. Und dieses Vorhaben glückte hervorragend: Bis zum Jahr 2008 konnten aufgrund der intensiven Nutzung und ständigen Aktualisierung der Datenbank Kunstschätze im Wert von unglaublichen 230 Millionen Euro wieder aufgefunden werden.
Heute beinhaltete the Art Loss-Register Einträge aus aller Welt und stellt die wichtigste und größte Datenbank für vermisste Kunstgegenstände dar. Neben dem Zentralbüro in London, wo das Register erstellt wurde, gibt es weitere Büros in New York, Bath, Paris und Köln. Bei der letzten Zählung waren knapp 300000 Einträge in der Datenbank vermerkt, darunter zahlreiche Kunstwerke, die die Nationalsozialisten im dritten Reich ihren jüdischen Besitzern widerrechtlich abgenommen hatten und andere groß angelegte Diebstähle in Zeiten von Krieg und Besetzung.

