
Kunstwerke wurden während der letzten Jahrhunderte nicht nur gehandelt, gestohlen oder gefälscht, auch während kriegerischer Auseinandersetzungen kam und kommt es immer wieder zur Beschlagnahme von Kunstgegenständen unter dem Vorwand, diese vor Zerstörung oder gegen Verlust schützen zu wollen. In den meisten Fällen landen diese Kunstwerke dann in den Schatzkammern und Museen einer der Krieg führenden Parteien, fast ausschließlich in denen der Sieger. Kunstraub in Kriegszeiten geschah auch oftmals, um den Gegner oder Feind zu demütigen und natürlich um sich zu bereichern. Dabei handelt es sich ja um erbeutete Kunst und müsste deshalb eigentlich Kunstbeute heißen. Juristen grenzen die Begriffe Beutekunst und Raubkunst voneinander ab. Unter Raubkunst verstehen sie ausschließlich Verluste von Kunst- und Kulturgegenständen, die Sammler und andere Privatpersonen durch Erpressung und Verfolgung zu beklagen hatten. Also Verluste von Gegenständen, die beispielsweise Juden während des Dritten Reiches abgepresst wurden.
Allein währen des zweiten Weltkrieges plünderten Angehörige der deutschen Streitkräfte in allen besetzten Ländern unzählige Schlösser, Burgen und Klöster. Selbst vor Museen schreckten sie nicht zurück. Dieses Vorgehen wurde von Führungsgremien des NS-Regimes koordiniert und war nicht nur das Werk einzelner Wehrmachtsangehöriger. Ein Teil der erbeuteten Kunstgegenstände wurden in der Schweiz angeboten, um dem NS-Regime zusätzliche Devisen zu beschaffen. Hermann Göring baute sich mit Kunstgegenständen aus ganz Europa seine eigene private Sammlung auf und ließ diese kurz vor Ende des Krieges in einen unterirdischen Stollen nahe von Berchtesgaden verbringen.
Auch von den Alliierten wurde nach Ende des Krieges Kunstbeute requiriert. Den Amerikanern konnte zwar nie die Nahme von Beutekunst nachgewiesen werden, doch Berichte des Forschers für Kunstraub Sol Chaneles legen dies nahe. Einzelne Soldaten bereicherten sich an „Souvenirs“. Es gab eine eigene sowjetische „Trophäenkommission“, die deutsche Kulturgüter beschlagnahmte. Diese wurden in die damalige Sowjetunion verbracht. Im Jahre 1955 wurden viele Bilder an die Dresdner Gemäldegalerie zurück gegeben. Aber erst 1992 wurde von der russischen Regierung die strenge Geheimhaltung über versteckte Beutekunst-Bestände aufgehoben.

